Gemeinde Chamerau

DefibrilatorDem Herztod ein Schnippchen schlagen

Defibrillator für die Allgemeinheit - Mit Spendengeldern wurde der ”Defi“ angeschafft.

Chamerau. Herzstillstand kann jeden treffen. Den Daten des Deutschen Reanimationsregisters der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) zufolge ist der plötzliche Herztod sogar eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Allerdings hätten viele Menschen, so sagt Hans Robl der auch den Ankauf vorantrieb, im Ernstfall vor Erster Hilfe große Scheu. Robl hat darin viel Erfahrung, schließlich war er viele Jahre lang Rettungsassistent beim Roten Kreuz und musste bei dieser Tätigkeit schon oft einen Defibrillator zur Wiederbelebung eines Bewusstlosen einsetzen.Chamerau verfügt nun selbst über ein solches lebensrettendes Gerät, nach dem die Dorfgemeinschaft Lederdorn bereits im März 2017 einen Defibrillator auf Initiative von Bernhard Weber mit der Kirchenverwaltung unter Kirchenpfleger Xaver Heigl und den Vereinen ein solches lebensrettendes Gerät angeschafft hatte.
Die politische Gemeinde und die Pfarrgemeinde Chamerau haben vor geraumer Zeit auch beschlossen, einen Defibrillator anzuschaffen, der ortszentral in der Dorfmitte beim Gästehaus ”Zum Bäckerwirt“ (ehemaliges Treml-Haus) angebracht wird und für jeden Ersthelfer rund um die Uhr zugängig und im Notfall entnommen werden kann. Die Idee hatten Pfarrer Kilian Limbrunner und Bürgermeister Stefan Baumgartner bereits vor drei Jahren, wie Limbrunner bei der Übergabe erklärte. Am Donnerstag war die offizielle Übergabe des Defibrillators an die Gemeinde Chamerau im Bürgerhaus, die auch die Trägerschaft übernimmt. Die Kosten des Geräts belaufen sich auf 2. 100 Euro. Die Raiffeisenbank Cham, Zweigstelle Chamerau, unterstützte das Projekt großzügig mit 1.000 Euro. Ebenso trugen die Pfarrgemeinde sowie die Gemeinde Chamerau und Vereine zur Anschaffung des ”Defi“ bei.
Bürgermeister Baumgartner und Pfarrer Limbrunner zeigten sich beeindruckt vom Engagement der Raiffeisenbank, die in diesem und in den vergangenen Jahren wiederholt Vereine, Schulen, Kindergärten und die Kommune unterstützt hätten. Bürgermeister Baumgartner zeugte von Sachwissen als er betonte, ein Defibrillator sei wie eine “Reset-Taste” für das Herz. Bürgermeister Stefan Baumgartnerdankte den Beteiligten die zum Erfolg der Aktion beigetragen haben. Er dankte im Namen der Gemeinde und aller Bürger für diese Aktion. Pfarrer Kilian Limbrunner betonte, dass in der Ersten Hilfe am Wichtigsten sei, sich zu trauen. Man können mit einem Defibrillator niemandem schaden. In der Ersten Hilfe gelte immer: “Nichts Tun ist das Schlechteste!, wenn nur ein Menschenleben gerettet werden kann, hat es sich sicherlich schon gelohnt”, argumentierten die Initiatoren, auch wenn man gerne auf einen Einsatz des Gerätes verzichten könnte.
“Vereine leisten Großes im Ehrenamt”, aber auch die Raiffeisenbank sagte Regionaldirektor Thomas Saßl bei der Spendenübergabe sei immer bereit, getreu dem Prinzip “Was einer nicht schafft, schaffen viele gemeinsam” mit jährlichen Spenden an soziale, kulturelle und sportliche Einrichtungen immer wieder auch punktuelle Anschaffungen und Investitionen zum Wohl der Allgemeinheit seinen Beitrag zu leisten. Für ihn persönlich sei es ein großes Anliegen und Freude, wenn man wie in diesem Fall mit der Spende Leben retten könne. Die Raiffeisenbank möchte dadurch ihre Regionalität zum Ausdruck bringen.

Einfache Handhabung

Der Defibrillator des Typs ”Livemak CR Plus“ der Lieferfirma Physic-Control ist vollautomatisch und auch für Laien einfach zu handhaben. Das Gerät hat eine Sprachführung, die auch Fehler verhindert. Eine Defibrillator-Geräteeinweisung findet nach der Installation, die in den nächsten 14 Tagen erfolgt statt. Eine Mangelsituation an Defibrillatoren in der Region, welche nun verbessert werde, da diese Geräte von jedem Ersthelfer benutzt werden können sollte auch in anderen Gemeinden weiterhin vorangetrieben werden. Im Ernstfall, wenn Herzstillstand vorliege, können diese Geräte verwendet werden, ohne jede Angst, etwas falsch zu machen, denn direkt nach der Entnahme aus dem Aufbewahrungsort erkläre das Gerät laut die genaue Vorgehensweise. Und es löse auch nur bei genauer Indikation den gewünschten Stromschlag zur Belebung des Herzens aus. Selbstverständlich solle man zuerst immer den Notruf verständigen und dann mit der Wiederbelebung beginnen, um die Wartezeit lebensrettend zu nutzen.
Doch wann darf man einen Defibrillator eigentlich anwenden? Und: Kann man damit dem Bewusstlosen gar schaden? Hans Robl beruhigte die anwesenden bei der Übergabe: “Man kann nichts falsch machen.” Ein Defibrillator für Laien, auch automatischer externer Defibrillator (AED) genannt, ist selbsterklärend. Ein einfacher Druck auf die Ein-/ Aus-Taste genügt. Durch klare Sprachanweisungen wird man durch alle Reanimationsschritte geleitet. Somit, erklärte der Experte, könnten im Ernstfall alle nötigen Schritte problemlos und fehlerfrei vollzogen werden. Selbst ob ein Einsatz überhaupt notwendig sei, entscheide das Gerät anhand der Auswertung der Herz-Rhythmusanalyse. Erst nach der Anweisung, den Schock auszuführen, kann dieser an den Patienten abgegeben werden. Somit wird das Risiko eines überflüssigen Schocks ausgeschlossen. Wie die Elektroden anzubringen sind, entnimmt man der Abbildung. Auch für die weitere Versorgung des Patienten durch Herzdruckmassage und Beatmung erhält man in Form von Sprachanweisungen und Taktvorgabe Unterstützung. Natürlich, so sagt Robl, müsse man immer zuerst den Rettungsdienst rufen - doch sogar daran erinnere das Gerät. Der Experte empfiehlt außerdem jedem Bürger, den Erste Hilfe-Kurs aufzufrischen. (che)